#064

Was ist anders?

Wolfgang Tillmans, Brigitte Oetker (Hrsg.)

Was ist anders? Was ist anders? Wolfgang Tillmans, Brigitte Oetker (Hrsg.) Foto: Wolfgang Tillmans/Sternberg Press/Kulturkreis

Verlag: Sternberg Press
Erscheinungsjahr: 2017
Sprache: Deutsch/Englisch
Seiten: 228
ISBN:
978-3-95679-372-1

Beiträge von: Philipp Hübl, Jonas Kaplan, Joe Keohane, Michael Seemann und Interviews mit Lionel Barber, Carolin Emcke, Sigmar Gabriel, Bianca Klose, Stephan Lewandowsky, Brendan Nyhan und Wolfgang Schäuble.

Inhalt                              

Die Fotografien von Wolfgang Tillmanns, ob Porträts, Stillleben oder Abstraktionen, feiern die Schönheit einer inklusiven Freiheit, ohne dabei den Zusammenhang des Privaten und des Politischen auszublenden. Seit der Jahrtausendwende nimmt Tillmans in seiner Arbeit verstärkt direkten Bezug auf gesellschaftspolitische Veränderungen. Im Jahr 2016 engagierte er sich in seiner zweiten Heimat Großbritannien mit einer groß angelegten Pro-EU/Anti-Brexit-Kampagne. Zur Bundestagswahl 2017 entwickelte er Plakate für eine höhere Wahlbeteiligung und gegen Rechtsnationalismus.

Diese Verknüpfung künstlerischer Arbeit und politischen Engagements veranlasste uns, ihn einzuladen, den nun vorliegenden 64. Jahresring zu konzipieren. In diesem Buch geht er auf verschiedenen Ebenen der Frage nach, welche gesellschaftlichen Veränderungen zur jetzigen Situation geführt haben:
Emanzipative Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte werden infrage gestellt, neue politische Gruppierungen und rechtsnationalistische Bewegungen verschaffen sich Gehör.

„Zwischen 1945 und 1969 lagen 24 Jahre. Vor 24 Jahren war das Jahr 1993.“ Wolfgang Tillmans‘ Werkgruppe Time Mirrored konfrontiert uns damit, wie unterschiedlich wir gleich lange Zeiträume wahrnehmen und welche Bilder sie in uns hervorrufen. Die Psychologie der Wahrnehmung von gesellschaftlichen Ereignissen und ihr Niederschlag in politischen Überzeugungen sind ein wesentliches Thema in diesem Buch.

Wolfgang Tillmans hat Wissenschaftler, Publizisten, Politiker und Experten um ihre Einschätzung der Situation gebeten und zahlreiche Interviews geführt. Diesen Textbeiträgen stellt er assoziativ eigene und gefundene Bilder sowie Textausschnitte gegenüber. Besonderes Gestaltungsmittel ist ein Farbkopiergerät aus den 1990er Jahren, das die Bildvorlagen in vier verschiedenfarbigen Scanvorgängen erfasst. Der Künstler nutzt diese frühe digitale Technik, um sich in abstrakter Weise der Vielschichtigkeit der Situation anzunähern. Aus den Texten, Bildern, Zitaten, Collagen entsteht eine Momentaufnahme, die die Komplexität unserer Zeit mit sehr vielen ihrer gesellschaftlichen Fragestellungen zeigt und deutlich macht, dass es keine einfachen Antworten auf unsere heutigen Herausforderungen gibt.