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Ein Querschnitt durch die deutsche Literatur und Kunst der Gegenwart

Rudolf de le Roi, Ludwig Grote, Joachim Moras, Hermann Rinn (Hrsg.)

Ein Querschnitt durch die deutsche Literatur und Kunst der Gegenwart Cover Jahresring #4 © Archiv Kulturkreis

Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt GmbH, Stuttgart
Erscheinungsjahr: 1957
Sprache: Deutsch
Seiten: 410

Beiträge von: Ilse Aichinger, Cyrus Atabay, Ingeborg Bachmann, Werner Bergengruen, Joseph Bernhart, Rainer Brambach, Barbara Brendler, Paul Celan, Hans Ehinger, Günter Eich, Herbert Eisenreich, Hans Magnus Enzensberger, Elemer Földváry-Boér, Hans Freyer, Max Frisch, Walter Helmut Fritz, Gerd Gaiser, Walter Gross, Werner Haftmann, Peter Härtling, Janos Hegedüs, Erich Heller, Werner Helwig, Fred Hepp, Gustav René Hocke, Kay Hoff, Curt Hohoff, Hans Egon Holthusen, Karl August Horst, Ernst Jünger, Friedrich Georg Jünger, Marie Luise Kaschnitz, Erhart Kästner, Gabor Kocsis, Christine Lavant, Carl Linfert, Friedrich Luft, Erich Nossack, Walter Panofsky, Heinz Piontek, Sophie Dorothee Podewils, Bruno E. Werner Friedrich Podszus, Martin Raschke, Gregor von Rezzori, Walter Richter-Ruhland, Ludwig Rohner, Albert Schirnding, Ernst Schnabel, Lotte Schünemann-Killian, Carl Seelig, Friedrich Sieburg, H. H. Stuckenschmidt, Tibor Tollas, Franz Tumler, Viscont, Georg von der Vring, Robert Walser, Leonie von Wilckens

Vorwort

Der tiefste Einschnitt im Ablauf des letzten Jahres war der Aufstand in Ungarn und seine blutige Unterdrückung. Wer es – als Schriftsteller, als Künstler, als Denker – unternimmt, das Bild unserer Zeit mit zu prägen, wird sich früher oder später der Gewissensfrage stellen müssen, die damit an die westliche Welt gerichtet wurde.

Der neue, vierte Band des „Jahresrings" beginnt mit Gedichten junger Ungarn, übertragen von namhaften deutschen Lyrikern, und schließt daran einen Essay von Hans Egon Holthusen, der als erster Versuch einer denkerischen Auseinandersetzung mit dem ungarischen Geschehen verstanden sein will.

Auch in anderen Essays des Bandes geht es um Fragen, die sich schärfer als bisher stellen. Ob Friedrich Sieburg unter dem Titel „Einige neue Formen der Tyrannei" die Gefahren unserer Konsumkultur ent-hüllt, ob Hans Freyer dem Einzelnen Wege zur Überwindung dieser Gefahren weist, ob Werner Haftmann die Freiheit als Bedingung und innersten Impuls der modernen Kunst erkennt – gemeinsam ist diesen Arbeiten die kritische Besinnung auf den Menschen, der mehr ist als das Kollektiv.

Dieser Wertmaßstab, der den Einzelnen in der Vielfalt seiner Möglichkeiten gelten läßt, war auch bestimmend für die Auswahl der Gedichte, Erzählungen, Skizzen und Betrachtungen, die in diesem „Querschnitt durch die deutsche Literatur und Kunst der Gegenwart" aufgenommen wurden. Der Jahresring ist nach dem Urteil von Presse und Rundfunk ein Buch der „offenen Horizonte", eine „fortwährende Aufgabe".

Der reiche Bildteil des Bandes gruppiert sich um die Kunstaufsätze, unter denen neben dem Essay von Haftmann besonders eine Arbeit von Gustav René Hocke zu nennen ist. Hocke sieht die gegenstandslose Kunst unserer Zeit bei Lionardo und gewissen Malern des 16. und 17.]ahrhunderts vorgebildet und erkennt in der „abstrakten Metaphorik" eine Konstante der Kunstentwicklung überhaupt. Mit je einer Farbtafel wird des 70. Geburtstages von August Macke, des 80. von Alfred Kubin gedacht.

Eine wichtige Aufgabe sehen die Herausgeber des „Jahresringes" in der Erinnerung an Autoren, die früh verschollen sind, aber nicht vergessen werden dürfen. Dieser Band bringt ein Epitaph auf Martin Raschke, der 1943 im Osten fiel, von Günter Eich und Erhart Kästner. Persönlichkeit und Leistung der Toten des Jahres – Bertolt Brecht, Hans Carossa, Robert Walser – werden in Nadnrufen vergegenwärtigt.

Mit dem Beitrag „Maecenas in USA" von Bruno E. Werner setzt der „Jahresring" die Berichte über das Mäzenatentum in anderen Ländern fort. Auch die Chronik über die Ereignisse und Entwicklungen in Literatur, bildender Kunst und Musik wird weitergeführt.

„… Uns ist keine Veröffentlichung bekannt, die in gleicher Weise, auf derselben Höhe und, nicht zu vergessen, zum gleich geringen Preis wie der ‚Jahresring‘ die Funktion eines zeitgenössischen ‚Lesebuches‘ erfüllt – das Wort in einem höchsten Sinn gebraucht. Gerade dadurch, daß es sich auf keine bestimmte Richtung festlegt, daß es mit keiner Gruppe liebedienert, daß es die Überlieferung achtet, ohne sich dem Neuen zu verschließen und ohne die Spannung zwischen beiden Polen billig zuzudecken, bildet dieses Jahrbuch einen zuverlässigen Spiegel gegenwärtiger künstlerischer und dichterischer Strebungen und kultureller Tendenzen in Deutschland." (Die Rheinpfalz)