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Jahrbuch für Kunst und Literatur - Deutschland als Ausland

Jörg A. Henle, Hans Bender, Eduard Trier, Volker Neuhaus, Bernhard Freiherr von Loeffelholz, Arend Oetker (Hrsg.)

Jahrbuch für Kunst und Literatur - Deutschland als Ausland

Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt GmbH, Stuttgart
Erscheinungsjahr: 1986
Sprache: Deutsch
Seiten: 310
ISBN: 3-421-06320-6

Beiträge von: Ingrid Bachér, Eduard Beaucamp, John Berger, Auguste Zábori-Broch, Gino Chiellino, Christoph Derschau, Karl Esselborn, Hans J. Fröhlich, Rudi Fuchs, Christian Geissler, Martin Grzimek, Ludwig Harig, Christel Hartmann, Rolf Haufs, Wolfgang Hegewald, Georg Hensel, Wolfgang Hilbig, Burghild Holzer, Walter Kappacher, Rolph Ketter, Lothar Klünner, Michael Koschinski, Franz Liebl, Christian Linder, Christoph Meckel, Péter Nádas, Rudolf Peyer, Martin Pohl, Annelie Pohlen, Konrad Rabensteiner, Christoph Ransmayr, Gerlind Reinshagen, Ralf Rothmann, Ulrich Schacht, Johannes Schenk, Wolf Christian Schröder, Zafer Şenocak, Dadi Sideri, Hilde Spiel, Kyra Stromberg, Elly de Waard, Gabriele Wohmann, Martin Zingg, Gerald Zschorsch

Vorwort

Das „Länderporträt", wie der JAHRESRING es seit dem Band 79/80 jeweils in den Mittelpunkt stellt, hat im 33. Jahrgang den Titel: „Deutschland als Ausland". Es geht darin um die Beachtung der ethnischen Gruppen, die unter uns Deutschen leben und arbeiten; um die Beachtung‚ wie die Herausgeber es beabsichtigen, vor allem ihrer kulturellen Aktivitäten. In seinem einleitenden Essay schreibt und reflektiert Kurt Esselborn über die Brückenfunktion von Kultur im weitesten Sinne; speziell jedoch und anhand der in der Bundesrepublik entstehenden Literatur der Ausländer. Es gibt sie. Sie ist lebendig geworden. Sie ist über die „Gastarbeiter"-Thematik hinausgewachsen. Das sollen auch die Gedichte beweisen, die dem Überblick folgen. Gedichte des Italieners Gino Chiellino und der Griechin Dadi Sideri. Christel Hartmann berichtet über ihre Erfahrungen im Jugend-Kulturzentrum „Schlesische Straße 27" in Berlin-Kreuzberg. Ein Projekt, das mit Unterstützung des Kulturkreises zustande kam und im Vergangenen Jahr eröffnet wurde. Christel Hartmann berichtet über das Zusammenspiel und das Zusammenraufen der verschiedenen Stellen und Gruppen. Sie könnten beispielgebend sein für „interkulturelle" Aktivitäten, die man auch anderswo unternimmt. Den schwierigen Weg des türkischen Theaters in der Bundesrepublik beschreibt Michael Koschinski. Erst nach und nach wurde Theaterstück und Theaterspiel zu einem Medium der Identitätsfindung.

Dem Thema im Mittelpunkt folgen auf den nächsten Seiten die Beiträge zur Literatur und Kunst der Gegenwart. Die vom Gremium Literatur des Kulturkreises gewählten Preisträger ’86 stellen sich mit Beiträgen Vor: Hilde Spiel, der die Ehrengabe zugesprochen wurde, mit Kapiteln aus einem frühen Roman; Walter Kappacher mit Tagebuchblättern aus Italien und Christoph Ransmayr mit dem mitteleuropäischen Lehrstück „Przemysl". Hildegard Grosche und Kyra Stromberg, die für ihre langjährige Tätigkeit mit Übersetzerpreisen ausgezeichnet wurden, stellten Übersetzerproben zur Verfügung: ein Romankapitel des ungarischen Epikers Péter Nádas; einen Essay des englischen Autors John Berger. Kyra Stromberg weist sich zudem mit einem Essay aus: „Tantalos oder: Lust und Last des Übersetzens". Zwei Kapitel sind der Lyrik und Prosa deutschsprachiger Autoren eingeräumt: Gedichte, Erzählungen, Romankapitel, Tagebuchaufzeichnungen.

Die Bildende Kunst wird beachtet in zwei Beiträgen von Annelie Pohlen und Rudi Fuchs. In Annelie Pohlens Aufsatz geht es um Plastik, die in Einrichtungen integriert ist; an Architektur, Möbeln und Geräten. Rudi Fuchs reflektiert über eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst im Castello di Rivoli, Turin. Dieses Thema wird fortgesetzt im Kapitel „Chronik". Eduard Beaucamp wirft einen kritischen Rückblick auf zwei Ausstellungen deutscher Kunst des 20. Jahrhunderts in der Nationalgalerie Berlin und in der Londoner Royal Accademy. Andere Rückblicke in der „Chronik" gelten den herausragenden Schauspielaufführungen der Spielzeit 85/86. Georg Hensel hat sie, ebenso kritisch wie amüsiert, beobachtet und festgehalten. Christian Linder blickt in seiner Sammelbesprechung auf die Neuerscheinungen deutschsprachiger Verlage und ihrer Programme im Herbst ’85 und Frühjahr ’86 zurück. Eines der Ergebnisse, die er für sich und die Leser daraus gewinnt, lautet: „Literatur müßte also zeigen, wie vieldeutig die Welt und das Leben ist. Und immer, wenn große Literatur geschrieben worden ist, war sie darauf aus, unbekannte Lebensmöglichkeiten zu erforschen …"