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Kunstvermarktung, Kunstvermittlung

Walter Grasskamp, Bernhard Freiherr von Loeffelholz, Arend Oetker (Hrsg.)

Kunstvermarktung, Kunstvermittlung

Verlag: Verlag Silke Schreiber, München
Erscheinungsjahr: 1989
Sprache: Deutsch
Seiten: 231
ISBN: 3-88960-017-4

Beiträge von: Walter Grasskamp, Wulf Herzogenrath, Andreas Kuhlmann, Annette Lagler, Eberhard Roters, Konrad Scheurmann, Stephan Schmidt-Wulffen

Inhalt

Vorwort (Auszug)

Mit diesem Jahresring legt der Kulturkreis im Bundesverband der Deutschen Industrie den 36. Band in einer Folge von Jahrbüchern vor, die seit 1954 erschienen sind. Mit dem Untertitel Literatur und Kunst der Gegenwart zählt der Jahresring zu den wenigen Schriftenreihen, die von den Gründerjahren der Bundesrepublik bis heute überlebt haben. Damals war eine Fülle anspruchsvoller Kulturzeitschriften gegründet worden, die in heute unvorstellbar hohen Auflagen erschienen sind.

Als im April 1987 das letzte Heft der ältesten noch erscheinenden deutschen Kulturzeitschrift vorlag, die 1856 als „Westermanns illustrierte deutsche Monatshefte für das gesamte geistige Leben der Gegenwart“ gegründet worden war, nahm Heinz Ludwig Arnold dies zum Anlaß, um die Rolle der Kulturzeitschriften nach 1945 zu untersuchen.

[…]

Unübersehbar sind mit dem Markterfolg der Kunst die Formen der Aneignung und Vermittlung in eine Krise geraten. Was lag also näher, als Herkunft und Aktualität dieser Krise zum Thema zu machen? Wulf Herzogenrath liefert mit seinem Essay über den Briefwechsel zwischen Franz Marc und August Macke den überraschenden Nachweis, daß schon zu Beginn der modernen Kunst in Deutschland Künstler die Vermarktung ihrer Werke durchaus gezielt und nüchtern betrieben haben. Mancher Tonfall und manche Zynismen, die man für typische Entgleisungen des heutigen Kunstbetriebs halten möchte, finden sich schon in dieser temperamentvollen und bisweilen kaltschnäuzigen Korrespondenz. Der Beitrag von Stephan Schmidt-Wulffen führt dieses Thema fort und entwickelt zwischen Programmatik und Vermarktung das widersprüchliche Bild zeitgenössischer Kunst. Seine Schlußfolgerung‚ die Begriffe und Konzeptionen der Kunstkritik seien den neuesten Entwicklungen des Marktes und der Kultur nicht mehr gewachsen, bezeichnet ein Problem, das es in den nächsten Jahren zu diskutieren gilt: Kann man neuen Entwicklungen der Kunst und Kultur mit traditionellen Argumenten begegnen? Rettet eine solche Kritik die Traditionen, an denen ihr gelegen ist, oder verpaßt sie ihre entscheidende Aufgabe, nämlich ihr theoretisches Instrumentarium auf der Höhe der zeitgenössischen Probleme weiterzuentwickeln? Andreas Kuhlmann behandelt diese Fragestellung am Beispiel eines besonders interessanten Schauplatzes gegenwärtiger Kulturinvestitionen, am Beispiel von Frankfurt am Main.

Während sich die Erkenntnis durchzusetzen beginnt, daß die Künstler an der Vermarktung der Kunst nicht ganz unschuldig waren, genießen jene Persönlichkeiten noch immer wenig Ansehen, die daraus die Profession des Galeristen entwickelten. Mit dem Portrait des Berliner Händlers Rudolf Springer, der eine der ersten Nachkriegsgalerien von Ruf gründete und bis in die heutigen Tage als inzwischen Achtzigjähriger führt, würdigt Eberhard Rozers einen der Eigenwilligsten unter diesen Kunstvermittlern.

Es ist nie die schlechteste Antwort auf eine Krise, aus ihrer Perspektive die jüngste Vergangenheit zu rekapitulieren. […] Mittelpunkt der Konsumzentren unserer Groß- und Kleinstädte entwickelt. Auch dieser Erfolg hat seinen Preis; Peter Sloterdijk hat kürzlich behauptet, daß die Museen darüber ihre Fähigkeit und eigentliche Aufgabe verlieren müßten, nämlich die, Fremdheit zu erzeugen. In der Kunst und der Literatur der Moderne ist das Museum in der Tat häufig in dieser Eigenschaft gesehen und beschrieben; das Dossier Sonderbare Museumsbesuche versammelt eine Reihe einschlägiger Zitate und Kommentare – eine Einladung in ein exotisches Papiertheater der Moderne.